TOD UND SEXUALITÄT

TOD UND SEXUALITÄT

 

 

Elisabeth Kübler-Ross Vereinigung - 21 Mai 2000

Ein Vortag von Irène Andrieu

 

STERBEN NACH SEINEN WÜNSCHEN, DEM LEBEN WIEDERGEBOREN WERDEN

 

Mehr noch als die Sexualität, ist es wichtig den Einfluß des Verlangens und der Erwartungen in der Fähigkeit für einen jeden einzelnen von uns, die Perspektive des Todes, zu verstehen. Im tibetischen Buddhismus, ist dieser Tod, diese Übergangszeit in eine andere Dimension, ist dieser Gedanke in jeden einzelnen Augenblick unseres Lebens präsent, jedoch verschleiern uns unsere Anhaftungen dessen Realität . Wie können wir sie unter diesen Umständen loslassen?

Auch wenn es viele "kritische" energetische Punkte, die einen Bezug auf Leben und Tod in zahlreichen Horoskopen gibt, so scheint es, als würden jene, die sich auf Trauer beziehen, nicht direkt die Lebenserwartung des Nativen selbst betreffen. Auch wenn es in verschiedenen Lebensabschnitten zu vermehrten Anzeichen von Trauer kommt (gewisse astrologische Indizien erlauben es, sie zu lesen), kann keiner im vorhinein sagen , ob es zu einem fatalen Ausgang kommt, noch wer davon betroffen wäre.

Was in einem Horoskop sichtbar wird, sind die Bindungen und zu persönlichem Wachstum nötigen Ent – Bindungen( Loslassen) , die Rückkehr zur Einsamkeit und die Notwendigkeit die Verantwortung über seine Existenz in voller Freiheit zu übernehmen. So betrifft die Trauer in dieser Sicht der karmischen Horoskopanalyse, die ich betreibe, nicht ausschließlich die physische Trennung durch den Tod. Es ist ein fortschreitender Prozeß des Loslassens hinsichtlich aller Kontinuitätsformen, die das geistige sich eigensinnig aufbaut, um seine Glaubensgrundsätze aufrechtzuerhalten. Diese geistigen Tendenzen sind in den astrologischen Zeichen und Häusern in der Form der Planeten und ihrer Organisation in Aspekten eingetragen. Sie können sowohl das Festhalten an einer besonderen Art von Beziehung (Paare, Brüder und Schwestern, Familienmitglieder) als auch unserer Vorstellung der Existenz oder die Verpflichtungen betreffen, die sich uns aufdrängen oder die wir versuchen, den anderen aufzuerlegen. Es sind diese Bindungen( Festhalten), das die wichtigsten Hindernisse für die Kapazität bilden, im Moment zu leben. Man kann all das in einigen Wörtern zusammenfassen: die Trauer unserer Bindungen abzulehnen entstammt unserem Wunsch unsere Kontinuität zu bestätigen, also unsere Ewigkeit.

DIE NATUR DES VERLANGENS

In der Karmischen Astrologie, ist das Verlangen in all seinen Formen durch den Planeten Mars symbolisiert. Das Handeln des Mars, Herrscher des Skorpion, ist im Sanskrit folgender Maßen ausgedrückt: Kâma. Kâma ist die Lust , die uns dazu bringt uns der Außenwelt zu ermächtigen, damit wir so die Illusion verlängern können, über die Macht , die wir uns einräumen und über die Konzepte unserer Zukunft.

 

 

Nach dieser Definition ist Karma nur die ledigliche Verwirklichung der diversen Verlangen, die in unserem Unbewußten eingetragen sind, von den Methoden unseres Denkens und vorgefaßter Wahlen, von denen wir den Ursprung vergessen haben. Die Unwissenheit eines bestehenden ursächlichen Zusammenhangs zwischen dem Verlangen und was wir in unsere Richtung anziehen, hat viele Personen dazu veranlaßt zu erwägen daß Karma nur eine Quelle von Unannehmlichkeiten ist, die mit ignorierten Fehlern zusammenhängen, und für die wir den Preis zahlen müßten. Selbst wenn die Schuld für viele verführerischer ist (denn weniger zwingend ,weniger ethisch) als das Verantwortungsgefühl, schlage ich vor Ihnen, Karma unter dem Gesichtspunkt seiner geistigen Manifestationen im täglichen Leben zu betrachten .

Karma ist einfach das Ergebnis der vollendeten Handlungen, und diese Handlungen stammen zuerst aus dem geistigen Willen, eine Kohärenz zwischen unserem inneren Universum und der Außenwelt aufrechtzuerhalten. So etablieren sich Glaubenssysteme, Erwartungen, Träume, Illusionen, Enttäuschungen, Bedauern, Schuld, alle psychologischen Formen von Verhalten, alle darauf abgezielt, unsere Vorstellung der Welt zu verlängern... was die Verkettung der Wiedergeburten in der Kontinuität der vergangenen Leben verursacht.

Die geistige Verkettung

Eine der Konstanten des geistigen Funktionierens besteht darin, in Bezug auf Vergleichs Termini hinsichtlich dem, was wir kennen, zu denken, was eine Wiederholung bewirkt, von dem das wir bereits kennen und eine Ablehnung von all dem, was die Logik unserer Annäherung der Situationen stören könnte. Deshalb sieht man bei Personen, die unfähig sind, eine Trauer durchzuführen, oft gleichzeitig eine große geistige Starrheit und eine instinktive Furcht vor allem was Veränderungen in ihrer Existenz verursachen könnte ,also ein Verlust der Bezugspunkte, die Gewohnheiten unterhalten.

Die Impulse sind natürlich.

Die astrologische Tradition der Kabbala (Zohar) bestätigt für ihren Teil, daß Mars in uns die animalische Seele beherrscht, jene die unsere grundlegenden Bedürfnisse, den Instinkt, die Überlebensmechanismen verwaltet, unter denen Sexualität eines der grundlegendsten Derivate ist. Diese Impulse, die mit der Art vom Mars verbunden sind, sind natürlich, aber jeder unter uns erlebt sie mit mehr oder weniger inneren Ruhe. Die physische Kraft, die natürliche Aggressivität, die Anziehung oder das was uns anwidert, das Geschlechtsverlangen, die Angst und der Zorn sind davon die wesentlichen Manifestationen. Die Psychoanalytiker bezeichnen die Gesamtheit dieser Manifestationen unter dem Namen "der Lebens- und Todesimpulse". Aber die westliche Erziehung ist so angesetzt, daß diese Impulse meistens unterdrückt und verurteilt werden, als unzulässig in unseren Beziehungen mit anderen, angesehen werden. Man kann begreifen, daß ein Kind, das dem Willen seiner Umwelt unterliegt, den Modellen seiner Umgebung folgt und lernt seine angeborenen Tendenzen beherrschen zu können, die unkontrollierbar werden könnten, wenn die Eltern die Grenzen nicht kennzeichneten, den notwendigen sozialen Rahmen .

Jedoch, was sich aus der Erziehung ergibt, wird meistens beim Erwachsenen zum Preis seiner Freiheit der Wahl oder seines Liebesausdrucks verlängert. Das geistige ist "konditionierbar", aber alle Konditionnierungen stammen nicht aus den Befehlen der Außenwelt. In der karmischen Astrologie erwägen wir, daß die interne Organisation dieser Impulse von Geburt an und daher im Radix sichtbar, schon vorhanden ist. Wir sind bereits als Kind, Träger der Tendenzen, die unsere Antworten auf die Umwelt schmieden werden. In der Tat gibt es eine solche Ähnlichkeit zwischen den astrologischen Geburtsprägungen und der Entwicklungsrichtung der Auswahlen und der persönlichen Antworten, die den Rhythmus einer Existenz markieren, daß es unmöglich scheint, daß vorherige Erfahrungen und Verlangen unser Verhalten nicht konditioniert haben. Als ob wir über schon fertige Antworten verfügten, die für die Mehrzahl der wichtigen Umstände unserer Existenz gemacht wurden. Aber ebenfalls, als ob ein "vorbewußtes" Projekt, eingetragen im Radix, dazu diente ,als leitender Faden in der Vielzahl der möglichen Erfahrungen zu fungieren. Was ebenfalls impliziert, daß die Geburt genau dann stattfindet, wenn die Organisation im Bereich der Energie des Himmels in Übereinstimmung mit den angeborenen Tendenzen der Person ist, und daß es keine zufällige oder verursachte Geburt gibt, die nicht den Erfordernissen für die Person selbst entspricht.

Diese karmische Lektüre des Radix ist für den Geist zufriedenstellend. Anzunehmen, daß wir die Autoren von unseren eigenen geistigen Leitlinien und Lebenswahlen sind, ist weniger grausam, als sich eine willkürliche Verteilung vorzustellen, die für einige Individuen die Verpflichtung beinhalten würde, all ihr Leben lang vor Angst und vor Leid zu zittern, während andere mit oder ohne persönliche Verdienste die Früchte des Erfolges und der Anerkennung von anderen sammeln würden. Wenn es ein oder mehrere persönliche Ursachen an der Natur der Erfahrungen gibt, die wir auf dieser Erde machen, müßten wir fähig sein, sie aufzudecken und eventuell deren Wirkungen zu beherrschen. Aber alle antiken esoterischen Traditionen bestätigen die Existenz einer Kausalität dieser Natur. Einzig die modernen Rationalisten erkennen es gut als Grundgesetz des Auftauchens der Ereignisse an, aber leugnen es als Quelle der Kausalität der menschlichen Erfahrung.

Niemand entgeht dem Tod

Im karmischen Bereich der Verkettung, gibt es zum Beispiel eine von allen bekannte Ursache, die eine unvermeidbare Wirkung produziert, selbst wenn wir oft ablehnen, davon die Folgen in Betracht zu ziehen: jede Geburt ist das Vorspiel des Todes. Im astrologischen Werkzeug, das ich benutze, das Rad des tibetanischen Lebens, steht diese Behauptung im Zeichen des Skorpions enthalten und ist direkt mit dem charakteristischen Verhalten des

Zeichens verbunden: die Lust, Basis jedes Festhaltens für das Verlangen, unaufhörlich die Erfahrungen der Vergangenheit zu verlängern und zu erneuern. Wenn es keine Ursachen ohne Wirkungen gibt , keine Wirkungen ohne vorheriges Verlangen, kann man im Rahmen der karmischen Kontinuität annehmen, daß ein Verlangen (wenigstens jenes unserer Eltern), der Wahl unserer Geburt präsidiert hat. In der Stunde unseres Todes, im Falle eines Todes durch Alter oder Krankheit, werden die Beharrlichkeit oder die Kapazität des Loslassens unseres Verlangens, zu versuchen, uns noch und noch zu verlängern, oder zu akzeptieren, auf die physische Existenz zu verzichten, und diesen großen "Übergang" durchzuführen, wie es die Tibetaner und die Juden bezeichnen, eine große Hauptrolle spielen.

Warum eine solche Hartnäckigkeit zu überleben?

Die tibetanische Philosophie (Bardo Thödol), behauptet, daß das Verlangen sich zu überleben (Wiedergeburtsverlangen), aus dem Glauben in der eigentlichen Natur des Ego stamme. Es ist durch die eigene geistige Struktur der menschlichen Gattung, daß wir uns als "Persönlichkeit" oder verschiedene Individualität vertreten können. Und selbst wenn es in uns zahlreiche viel scharfsinnigere Formen des Bewußtseins gibt, als, die der physische Natur des geistigen, so hat die Mehrzahl der Leute dazu keinen Zugang. Deshalb haftet diese Behauptung der Existenz meistens an den Manifestationen des Erkennbaren und der Psyche. Alles ereignet sich, als könnten wir uns nur definieren (geistige Handlung schlechthin) auf Grund der Unterscheidung vom Vergleich und vom Besitz . Somit , da wir uns verwechseln mit unseren Gegenständen oder unseren Vorstellungsmethoden, können wir nur wünschen, sie ad infinitum zu verlängern. Als ob sie gerade den Beweis unserer Existenz darstellten. Sie zu bewahren (das heißt ihnen anhaften) erlaubt es uns, eine Zukunft zu planen, in der wir weiterhin bestehen werden. So sind im Rad des Lebens, Basis der tibetanischen Astrologie, vier Zeichen als Träger der Schaffung der Entstehung, des Konzeptes von Zeit und des Kontinuitätsverlangens angezeigt: die Folge der Zeichen des Skorpions bis zum Wassermann .

•Es ist im Skorpion, daß die Angst vor dem Tod das Verlangen verursacht, unsere Erfahrungen zu verlängern, unsere Gefühlen und die Schaffung einer Traumwelt leitet, die auf der Illusion der Kontinuität basiert

• im Schützen verursachen wir einen individuellen Raum, in der Art und Weise der Tiere, die ihr Territorium bestimmen, um ihre Macht zu gewährleisten.

• Und dann im Steinbock denken wir daran, der Welt unser Erbe zu stellen: es wird ein biologischer Erbe sein, genauso wie ein persönliches Werk, oder erhebliche Handlungen, die unseren Übergang auf der Erde markieren.

• Im Wassermann, werden dann alle Verlangen , die wir nicht erfüllt haben, und von denen wir folglich auch die Trauer nicht durchgeführt haben, einer Art Bibliothek (Akasha) anvertraut werden, die sie bewahren wird, bis die Umstände versammelt sind, damit sie wieder aufleben können. Somit werden die Tendenzen, die Träume, das Verlangen, auf das wir nicht verzichtet haben, eine neue Form suchen, um sich zu verwirklichen und werden im Radix einer künftigen Person erscheinen. Diese Person wird sie ihrerseits in den angeborenen Tendenzen manifestieren, die wir ihr vererbt haben. Egal ob, sie unsere Reinkarnation oder unser karmischer Nachkomme ist, sie ist wirklich unsere Erbin.

Die Darstellungen dieser grundlegenden Projekte, die unserer Geburt vorstehen, sind in den Mondknoten und besonders im Nordknoten enthalten. Man vertritt diesen Letzten als ein Drachen, der nur dann stirbt, wenn man ihm den Kopf abschneidet. Was mit Genauigkeit die Natur der Energie des Verlangens in Erinnerung ruft.

Der Sinn der karmischen Lektüre

Eine karmische Lektüre durch die Astrologie läuft darauf hinaus, diese Tendenzen im Radix festzustellen und sie der Überlegung des Kunden vorzustellen. Zu wissen wie sich diese Tendenzen bilden, erlaubt ebenfalls, die Unveränderlichkeitspunkte zu entdecken, die die Entwicklung der Persönlichkeit zum Erstarren bringen können , aber auch die "Verdienste" die besonderen Qualitäten, die Glück und Erfolg in verschiedenen Bereichen der Existenz bringen werden. Es gibt keinen Richter in einer solchen Lektüre. Ein karmischer Astrologe weiß, daß alles, was in einem Radix aufgezeichnet ist, aus den Anhaftungen der Vergangenheit stammt, und, daß das wichtige darin besteht, sich davon zu befreien und nicht, sie zu verurteilen. In dieser Hinsicht versucht man, die Projekte soweit irgend möglich zu verwirklichen, die im Radix eingetragen wurden, oder sich bewußt zu werden, daß es Träume oder Illusionen sind, die keine andere Art der Verpflichtung enthalten, als jene die wir ihr beimessen.

 

Die Natur des Bedauerns

Wir werden jetzt die geistigen Hauptanhaftungen zur Sprache bringen, die die Fähigkeit blockieren, die Trauer der Vergangenheit durchzuführen und in einem wachsamen und neuen Geist zu bleiben, um die Umstände der Gegenwart anzugehen. Wenn wir glauben, daß das "ich" in sich besteht, genauso wie der Körper besteht, lange Perioden hindurch scheinbar stabil , dann werden wir viele mögliche geistige Antworten schaffen , die uns erlauben, das Persönlichkeitskonzept zu verlängern, das die karmische Kontinuität erzeugt. Somit wird im grundlegenden Buddhismus, wie er vom Buddha Nagarjuna dargestellt worden ist (1. Jahrhundert nach J-C), das Bedauern als eine der grundlegenden Ursachen der karmischen Schaffung angesehen; das Bedauern impliziert, daß die Sachen sich anders ereignen hätten können oder sollen, ohne die Natur des Verlangens zu berücksichtigen, das deren Sichtbarmachung konditioniert hat. Zahlreiches Verhaltensweisen werden sich aus diesem Glauben ergeben. Es ist hier die geistige Form des Bedauerns, das deren Ursache und nicht sein Inhalt ist. Das aufrichtigste Bedauern kann in der Tat eine Verweigerung der Wirklichkeit enthalten: ich hätte dies nicht tun oder sagen sollen... usw. Ohne zu berücksichtigen, daß es unmöglich war anders zu handeln... in diesem "Unbewußtseinszustand", der uns dazu veranlaßt hat, diese Wahl und nicht eine andere zu treffen. Dieses Bedauern betrifft sowohl die vollendeten Sachen als auch jene, die sein könnten, (nach unseren Behauptungen), und, die wir daran verhindert haben sich zu entfalten. Deshalb befindet sich Bedauern, das die geistige Schaffung einer künftigen Zeit impliziert, wo wir die Sachen ändern können, meistens am Anfang der Schwierigkeit, die aufeinanderfolgende Trauer durchzuführen, die der Kurs des Lebens uns aufzudrängen scheint. Das Bedauern unterhält eine zu große Glaubwürdigkeit an unsere Art und Weise zu denken, unseren Glauben, unseren Sicherheiten und es erhält sie. Die Verbesserung ist offensichtlich: wenn wir unfähig waren, die Folgen unserer Entscheidungen vorauszusehen, ist es besser zu akzeptieren, daß sie, in einem bestimmten Zusammenhang, unvermeidbar waren, was erlaubt bewußter zu werden und nicht auf die Zukunft zu setzen, um eine beendete Vergangenheit zu verbessern. Machte daraus immer eine Brücke über die Gegenwart, die ja der einzige Ort unseres freien Willens ist.

 

Die Schuld

Eines der zähesten Verhaltens Derivate des Bedauerns ist die Schuld. Diese impliziert, daß wir einen Fehler begangen haben, einen Fehltritt gemäß der Normen oder der Modelle, die uns als Referenz dienen. Eine Person, die sich schuldig fühlt, wird alle Arten der Entschuldigungen oder des Verbergungsverhaltens entwickeln, um aus diesem Unbehagen herauszukommen. Jedoch existiert im karmischen Plan, Fehler- oder Fehlerkonzept, die zur Schuld leiten, nicht. Das einzige "karmische Verbrechen" ist die Unwissenheit über sich selbst, die Unbewußtheit. Aber diese Schuld erweist sich für das Geistige immer als interessant, denn sie erlaubt ,ebenso wie das Bedauern, diese "Verbindungen der Zeit", diese Projekte des Werdens, die uns an der Stunde unseres Todes erlauben werden, mit der Hoffnung einer Zukunft wegzugehen, wo wir die Gelegenheit haben werden, unser Verhalten zu verbessern. Dieses Verlangen auf die Geschehnisse der Vergangenheit zurückzukommen, erscheint sehr deutlich in der karmisch - astrologischen Lektüre (in Form vom Rückläufigkeit) und führt zu genau so viel Blockierquellen bei einigen Personen, als zu Entwicklungsperspektiven bei anderen. Kurz, wenn wir glauben, daß wir zahlen müssen... verursachen wir ein Universum, in dem für uns die Verpflichtung enthalten ist, zu zahlen. Wenn wir es nicht in diesem Leben machen, können wir die notwendigen Bedingungen immer in Reserve lassen, um es später zu machen. Und Karma wird diese unvorsichtigen Wünsche erhalten, bis die Umstände für ihre Verwirklichung versammelt sind. Das ähnelt viel den drei Wünschen, die man Ihnen vorschlägt, in den Märchen zu machen. Ein vorsichtiger Held verweist das Genie in der Flasche zurück, indem er sich davor hütet, der Versuchung nachzugeben. Die anderen fallen immer wieder darauf herein.

Böswilligkeit

Diese unbewußten Automatismen sind oft viel karmischer, im Sinn einer fortwährenden Verkettung, als einen Diebstahl zu begehen oder sogar ein Verbrechen. Somit impliziert die Schuld eine konstante Art der Überwachung über sich und die anderen, die jede Wahl- oder Aktionsfreiheit zügelt. Was oft dazu führt, von sich ein negatives Bild zu haben, das man "Böswilligkeit" nennt.

Böswillig sein ist nicht notwendigerweise, anderen schaden zu wollen, obwohl ein schlechtes Bild über sich selbst oft dazu führt, jenes der anderen zu verachten. Böswilligkeit ist vor allem eine Geistesform, die dazu führt, abzulehnen, was wir sind, unser Erlebtes, unsere Gedanken, unsere Bedürfnisse zugunsten unserer Erwartungen gegenüber der Außenwelt. Daher eine wachsende Unfähigkeit, in Frieden mit sich selbst zu leben.

Wenn sie im Radix eingetragen sind, was häufig vorkommt, so erwachen diese schlechten Bilder von sich selbst im Kontakt der Himmelsmitte während der Kindheit. jedes X beliebige Kind, in seinem Verlangen seinen Eltern zu gefallen (es ist auch eine Frage des Überlebens), ist bereit, sich auf ihren Willen auszurichten, auch wenn es sich selbst leugnen muß. So werden wir im erwachsenen Alter zu allererst weiterhin die Anerkennung im Blick der anderen suchen. Aus Gewohnheit, genauso wie aus Angst vor Ablehnung oder der Leere der Einsamkeit. Der große Vedantische Weise, Prajnanpad, sagte, daß wir alle Liebesbettler seien. Es ist also kein Zufall, wenn diese Suche nach der unmöglichen Liebe, die uns hinsichtlich des Wertes unserer eigenen Existenz beruhigen würde, mangels sich selbst wiederzuerkennen, die erste Anfrage ist, der sich in einer astrologischen Beratung manifestiert.

 

Die Lüge

Wenn die geistige Organisation dazu führt, zuerst die Zufriedenheit unseres Verlangens zu suchen, ist es sehr offensichtlich, daß derselbe Vorgang alles verdrängen muß, was unsere Sicherheiten entgegnen würde oder unsere Träume und unsere Illusionen enthüllen könnte. Somit ist das, was unseren Willen in eine bestimmte Richtung hält, auch dasjenige das in der selben Zeit dazu tendiert die Außenwirklichkeit zu leugnen, eine illusorische Welt zu bauen, uns blind zu machen den Sachen gegenüber, wie sie sind.

Sie können jetzt begreifen, wie unser Verlangen individualisierter Existenz auf einer wunderbaren Ablehnung von dem fundiert ist, was die Wirklichkeit darstellt: die Unbeständigkeit, die schon bei der Geburt verbrauchte Trennung, das unvermeidbare Ende der Dinge, die Krankheit, das Alter, der Tod.

Die Gesamtheit dieser Ablehnungen, unsere Machtlosigkeit anzuerkennen, die Welt nach unserem Verlangen zu leiten wird im Buddhismus als die "Lüge" bezeichnet. Auf ihr ruhen, im Namen des Bildes das wir versuchen von uns zu erhalten, die am stärksten verdrängten, gewalttätigsten und widersprüchlichen Gefühle: der Machtwille, der Haß, die Ablehnung die drei großen Motoren des Karma.

 


 

Die Schaffung der latenten Tendenzen

Man kann sich nun fragen ,wie die Projekte, die im Radix enthalten sind, begonnen haben, und, ob sie bewußt von der Person formuliert worden sind, die sie hervorgebracht hat? Nach der buddhistischen Tradition ergeben sie sich direkt aus den Gedanken, aus den Worten und aus den vergangenen Handlungen, wir erben sie. Alles ereignet sich, als ob unser persönlicher Drachen der Energie die Anhaftungen an diverse Güter(Intellektuelle, Physik, psychische) zur Aufbewahrung gegeben hätte, Güter, die als so wertvoll betrachtet wurden, daß man in sie Zukunftsprojekte investierte. Die karmischen Ergebnisse werden sich also am selben Ort entwickeln als jenen, wo sie ihren Ursprung haben: Identitätsabfrage, physisches Ergebnis, intellektuelle oder gefühlsbetonte Anhaftungen, Weigerung, bestimmte Erfahrungen zu erneuern usw..

Diese Folgen der Vergangenheit im Radix zu entdecken, ist ziemlich einfach, aber würde nur eine Reduktionskonzeption der karmischen Astrologie verursachen, wenn wir uns nur daran hielten. Es ist interessanter zu beobachten, wie diese verborgenen Tendenzen erneut in der Persönlichkeit Wurzel fassen und wie diese Wurzeln neue Zweige bilden und das Wachstum eines neuen persönlichen Baumes fördern: die derzeitige Identität. Das erlaubt, die Natur der karmischen Verkettung besser zu verstehen und die individuasierten Blockaden (also konkret) zu entdecken, die von diesen Anhaftungen resultieren, um sich davon zu befreien.

 

Kann man den Traum von der Ewigkeit beenden?

Im Vorgang der Rückkehr zu sich selbst, begreift man ziemlich schnell, daß in jeder Erfahrung, die Kraft der verborgenen Tendenzen schneller in den geistigen Reaktionen, den Gedanken, den Worten herbeigeführt wird, als unsere pseudo- bewußte Wahl. Die erzielten Ergebnisse nicht abzulehnen, führt dazu sich zu fragen, was wir wirklich wünschten und, weshalb eine besondere Erfahrung unsere Aufmerksamkeit geweckt hat, und festzustellen, daß sie sich aus unserer Wahl ergibt. Unserem wahren Verlangen ja zu sagen ist das beste Mittel, ihnen in ihrer Wahrheit zu begegnen und sie zu ändern, wenn sie sich für uns nicht mehr eignen. Eine Beachtung auf soeben diesem Plan erlaubt, aufzuhören die geistige Aufmachung zu unterhalten, um an das Bewußtsein der Gegenwart zurückzukommen. Glauben sie ja nicht, daß es eine lineare Konstante im Ausdruck des Verlangens gäbe. Sobald man beginnt, sich zu kennen, begegnet man einer Binsenweisheit: die Gefühle, durch die das Verlangen sich äußert, sind fundamental dualistisch und meistens werden sie in widersprüchlicher Art gelebt.. Es ist normal: das Verlangen ergibt sich aus denselben physischen Gesetzen wie alle anderen Formen der Energie. Somit gibt es keine Anziehung ohne Abstoß von Verlangen, keinen Wunsch geliebt zu werden, ohne Haß für solche, die uns ablehnen. Die Annahme des Dualismus von unserem Erlebten stellt also die erste Etappe der inneren Wahrheit dar. Dagegen ergibt sich die systematische Forschung einer Antwort auf unsere Bedürfnisse, die als Absolute angesehen wurden, entspringt aus der geistigen Natur des Kindes, das nicht wachsen will und stellt eine der Hauptquelle der verhaltensbedingten Probleme dar. Begreift man das, wird es möglich, die zwei Pole eines Dualismus als analog objektiv zu betrachten. Daß Sie "Ja" sagen oder "Nein", es ist immer gemäß Ihrem Verlangen zu leben oder etwas nicht zu leben . In der Forschung einer bestimmten Situation besteht oft im unbewußten die Ablehnung ihres Gegenteils. Sich darüber Gedanken zu machen, was uns in unserer Antwort motiviert, ist demnach geistig interessanter, als unsere Reaktionen der Ablehnungen an unserer Stelle unser Leben entscheiden zu lassen. Mit der Zeit ist man sich bewußt, daß das Bewußtsein der inneren Erfahrung nicht nur ein wunderbarer Umwandlungsmotor, aber ebenfalls eine unvorstellbare Freudenquelle ist.

Alle Weisen haben auf diesem Plan vorsichtige, aber für die sie nicht bereits praktisch erprobt haben, wenig verständliche Ratschläge gegeben,. Der Grund ist einfach: wenn die Weisheitstraditionen uns über Annahme oder Loslassen sprechen, so hören zahlreiche unter uns "über sich ergehen lassen" oder "sich selbst zu leugnen ".

Akzeptieren will sagen, nichts machen. Es handelt sich darum, zu akzeptieren, was wir sind, unsere Reaktionen, unser Verlangen und unsere Gedanken, um sie bewußt zu machen und sich nicht irgendeinem Außenbefehl zu beugen. Der Respekt vor sich selbst stellt eine der ersten befreiendsten Etappen in Richtung der Öffnung des Bewußtseins dar, das uns erlauben wird, in der Gegenwart zu leben. Aber diese Befreiung von so vielen Zwängen kann nur dann eintreten, wenn wir tatsächlich die Anhaftung auf unseren nicht formulierten Erwartungen loslassen, unsere Träume, kurz unsere "Lügen". Man muß dafür beschließen, den Wettlauf um die Verdienste und um die Anerkennung der anderen aufzugeben, und im tiefsten Sinn des Begriffs menschlicher zu werden. Dieses Vorgehen impliziert einen großen persönlichen Mut, dessen Ergebnis darin bestehen wird, aus dem höllischen Zyklus der Anhaftungen herauszukommen und eine relative und unleidenschaftliche Vorstellung der Dinge zu entwickeln: die wahre Vorstellung.

 

Eroberung des Freien Willens

Im Rahmen eines intelligenten Trauervorgangs, müßten wir diese Forschung in allen Momenten unserer Existenz ausüben, um nicht zu vieles in der letzten Stunde unseres Lebens zu haben, uns zu verzeihen. Sie führt ebenfalls dazu, die Erfahrungen zu akzeptieren, die zu unserem Lebensprogramm gehören, als eben solche Kenntnisquellen . Denn die Person, die all ihre Energie (ihr Verlangen) investiert, zu verhindern daß die Dinge geschehen, führt offenbar nicht ihre Existenz im Sinn der inneren Freiheit . Das was ist zu akzeptieren und daraus die notwendigen Weisheitslehren zu ziehen , produziert im Gegenteil eine wunderbare Befreiung im Bereich der Energie. Diese Energie erlaubt uns danach, in der Gegenwart zu verwirklichen, wozu wir neigten es auf später zu verschieben, und aufzuhören, karmische Wiederholungswirkungen zu verursachen. Wenn eine Person begriffen hat, bis zu welchem Punkt das Geistige, dieser alte Konservative, der an seinen Koffern voll Sicherheiten hängt, Leiden verursachen kann und daran Gefallen zu finden dieses Leiden zu erhalten, kann sie nur mehr darüber lächeln.

Dieses authentische Loslassen, das auf nichts verzichtet, wird es eines Tages erlauben, zum letzten Mal in aller Ruhe einzuschlafen und zum anderen Ufer zu gelangen, wenn wir daran glauben, und wenn es dieses andere Ufer gibt, ohne daß die Verbindungen des Herzens und des geistigen uns sofort in den Kreis der Wiedergeburten zurückbringen. Aus dieser Sicht erweist sich die Studie des Radix als wertvoller Verbündeter. Denn die Planeten sind lebende Energien, die sich im Kreis des Zodiaks nach den Ergebnissen unserer vergangenen Handlungen, das heißt nach unserem persönlichen Willen, ausrichten. Ihre immer individualisierte Disposition, stellt den verdorbenen Kreis unserer Anhaftungen dar, sowie den leitenden Faden (der Weg des Tierkreises) durch den wir es erreichen werden, sie zum Abschluß zu bringen. Muß man darauf hinweisen, daß ein echter karmischer Astrologe sich, der sich all dessen bewußt ist, hüten wird, seine Kunden von Projekten abzuleiten, die verwirklicht werden müssen, unter den bestmöglichen Bewußtseinsbedingungen. Diese kurze Analyse hat uns weit über das Geschlechtsverlangen hinaus geführt, auf dem die klassische Psychoanalyse die Gesamtheit ihrer Theorien fundiert hat. Wir leugnen die Bedeutung der Sexualität in den grundlegenden Verhältnissen dem Vater und der Mutter gegenüber nicht, oder in der Verwirklichung eines aufgeblühteren Geschlechtslebens, aber das Verständnis der Mechanismen des Verlangens in der Schaffung des Karma kann uns weit über den Ursprung der psychologischen Störungen hinaus leiten, die unser soziales oder gefühlsbetontes Leben beherrschen. Sie richtet uns direkt auf die Quellen des Lebens aus.

Irène ANDRIEU

 

Irène Andrieu hat ihre Forschungsarbeiten den Anwendungen der Philosophie des grundlegenden Buddhismus auf die karmische Astrologie gewidmet. Sie lehrt die Entwicklungsastrologie in der Schule, die sie 1986 gegründet hat , gibt auch Fernkurse.

©Irène Andrieu

©S.W.H. für die Übersetzung

 

 

 


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