Wir haben Saturn die Herrschaft über dem Steinbock überlassen und so ein bißchen das Zeichen des Wassermanns verdeckt, dem man nun Uranus als Herrscher zugewiesen hat. Ich will hier nicht über die Begründung dieser neuen Zuteilung entscheiden, aber ihre Richtigkeit, die heutzutage noch gültig ist herstellen - oder wieder herstellen.
Saturn ist gemeinsam mit Merkur, der Planet des Intellekts, aber eines „höheren" Intellekts, ausgereifter und weniger „sich überall einmischend" als Der Zwillings - Merkur, weniger bodenständig als der Jungfrau - Merkur. Er sieht für lange Zeit im Voraus und bringt dem Spiel der Gedanken eine Note der Tiefe, der Ernsthaftigkeit, der Schärfe und der Analyse. Und die Luft des Wassermanns flößt ihm diese Leichtigkeit ein, die dem Steinbock fehlt , der ja in der Erde Wurzeln schlägt. Der Wassermann Saturn ist ein Forscher der den Gipfeln entlang geht. Die Luft wird dünner aber gleichzeitig dichter; oder besser gesagt, sie reduziert sich zu ihrer Essenz - es ist das letzte der Luftzeichen - und ist für die meisten Sterblichen zu gering. Daher eine gewisse Form der Einsamkeit und des Hochmutes.
Er ist ein Wissenschaftler der sich nicht sozial behaupten will, wie ein Steinbock. Sein höchstes Glück ist sein „glänzender Einfall" den er in seiner „Höhle" inmitten seiner Bücher hatte, wenn möglich mitten in einer ruhigen, finsteren Nacht. Er ist ein Altruist, aber zweiten Grades, denn er arbeitet mehr für die Allgemeinheit als für seinen Nächsten, daher bezeichnet man ihn oft als einen Egoisten. Und diese Kritik versteht er überhaupt nicht: er , ein Egoist, wo sein höchstes Anliegen doch die Dinge weiter zu bringen ist, mehr noch: die Welt weiter zu bringen?
Er ist ein Theoretiker , der es nicht immer schafft die Dinge umzusetzen. Im Alltag fühlt er sich nicht wohl und wird die konkreten Ergebnisse seiner Einfälle nicht nach sich ziehen können. Einsames Genie und oft nicht als solches erkannt, doch das ist ihm egal: er ist viel zu ehrgeizig! Dann zieht er sich eben in seinem Elfenbeinturm zurück. Die anderen glauben dann er sei eingesperrt, aber er weiß ja , daß dem nicht so ist er „tränkt" ja die Götter, er ist ja der Wassermann.
Sein Ehrgeiz ist es, sich das All einzuverleiben und er ist der Planet der Astrologie, da er ja der letzte der sieben ist, aber andererseits dem gierigen Suchenden das Tor zur unendlichen und noch unbekannten Größe des Himmels öffnet. Er ist der „Hüter der Schwelle": wir sind verpflichtet alles vor unsere Tür weg zu kehren, die sieben Planeten gut zu integrieren bevor wir uns irgendwelchen Traumbildern zuwenden: Uranus, Neptun und Pluto sind zu weit entfernt und ihre Wiederkehr zu langsam um uns individuell zu tangieren. In meinen Augen sind sie die Planeten der zukünftigen Generationen. Wir beherrschen nicht das All (Uranus), auch nicht Gott( Neptun) oder die Höllen( Pluto). Begnügen wir uns damit unsere irdische Aufgabe zu lernen (Saturn), unseren Nächsten zu lieben (Venus) und unsere Energie richtig einzusetzen anstatt Kriege zu führen (Mars). Und das ist schon mal nicht so einfach! Den zwei Lichtern hatten die „Alten" nur ein einziges Zeichen zugeordnet: Den Krebs für den Mond und den Löwen für die Sonne, und das ist sehr logisch: diese zwei Planeten waren am sichtbarsten, die größten, die uns am nächsten stehend und daher sicherlich diejenigen , die für die menschliche Bestimmung den größten Ausschlag hatten, da von ihnen Tag und Nacht, die Gezeiten und die Jahre abhingen. Danach haben sie zwei Zeichen für jeden Planeten bestimmt, je nachdem ob er ein Tages - oder ein Nacht - Planet war: Den Widder und den Skorpion für Mars, die Zwillinge und die Jungfrau für Merkur, den Schützen und die Fische für Jupiter und endlich den Steinbock und den Wassermann für Saturn, der am weitesten entfernt war. Merken wir uns, daß Saturn der letzte sichtbare Planet war, mit bloßem Auge und Hüter der Schwelle ist, aber Jupiter ist der größte und der Herr der Götter, der das Rad schließt...
Wenn er den Wassermann betritt, verliert Saturn seine „erdige" Starre. Als Prinzip der Kontraktion und der Konzentration , haftet er nur an solche Ideen deren Essenz er gewinnen will. Er ist ein Idealist, im ursprünglichen Sinn des Wortes, und das wiederum trifft wieder auf der Symbolik des Wassermanns zu -, das heißt sein wichtigster Motor ist die Idee. Er lebt im Abstrakten und in den Konzepten, daher der Vorwurf, den man ihm machen kann: er lebt nicht mit beiden Füßen am Boden, was doch das Ärgste für Saturn ist!
Der Wassermann ist das Zeichen der Brüderlichkeit und der Freundschaft, und Saturn kann nun seine Eigenschaften der Treue, der Stabilität und der Zuverlässigkeit voll ausleben. Wenn der Wassermann ein Phantast ist, so ist das durch das Element Luft bestimmt, und auf jeden Fall ist er es weniger als die sich verzettelnden Zwillinge oder als die Waage, die sich manchmal um 180° dreht. Er surft auf den Ideen, wenn möglich sollen sie neu sein. Man vergißt nämlich leicht, daß es immer der Wissenschaftler ist der entdeckt und erneuert und nicht der Kriegsführer oder der begeisterte Revolutionär , der ja letztendlich immer nur seinen Impulsionen oder seinen gewalttätigen Instinkten folgt. Die Tat entspringt dem Gedanken - und nicht umgekehrt. Es reicht , wenn man die Genesis liest, um sich davon zu überzeugen.
Der Wassermann - Saturn ist Merkur’s Herr des Gedanken, sein Lehrer und sein Initiator. Man könnte sagen , daß er eine Oktave höher liegt. Er gibt dem herum - schwirrenden Gedanken der Zwillinge Form und Struktur, der Leichtigkeit Solidität, der Nachlässigkeit, mehr noch dem sich gehen lassen, zwingt er die härteren Maßstäbe der Geduld, der Ausdauer und der Anstrengung auf. Er nimmt ihm alles was „scheinbar" ist, um ihm besser den Weg weisen zu können .Die zwillingshafte Luft zittert in dieser kalt gewordenen Einsamkeit. Aber Saturn kann auch gutmütig zu dem Jugendlichen sein, damit dieser das Wort der Vernunft hört, und selbst wenn Merkur da ein paar Federn läßt, gewinnt er eine solide Grundlage.
Dadurch daß sie ein Erd Element ist, wird der Jungfrau - Intellekt es weniger schwer haben, als die Zwillinge, sich den Diktaten Saturn’s unterzuwerfen. Die Jungfrau findet im Wassermann Saturn die Quintessenz dessen, was sie selbst an Eigenschaften sucht: Analyse, Richtigkeit der Urteilskraft. Aber sie arbeiten in verschiedenen Bereichen und der pragmatischen Jungfrau werden die Theorien unseres genialen Erfinders immer etwas fremd bleiben. Der Quincunx ist nicht so „einfach" wie das Trigon.
Dank dem Wassermann geht Saturn durch einen Jungbrunnen. Er ist nicht mehr der weise Greis, auf seine Schriften gebeugt, aber der ältere Bruder, der, kompetent und kämpferisch, den jahrhunderten alten Staub wegbläst, weil er jetzt unnötig geworden ist und weil dieses Wissen bereits integriert und assimiliert worden ist. Und der Wassermann Saturn spricht folgendes:
„ Ich bin der Vorläufer des Gedanken und der reine und harte Revolutionär. Ich bin der Wissenschaftler und der Physiker hohen Ranges. Ich bin der Historiker, der die vergangenen Jahrhunderte schluckt und die kommenden vorzeichnet. Ich bin der Astrologe der in diesem neuen Zeit - Raum navigiert. Ich bin mein eigener Sohn. Ich bin wieder jung und bereite die Zukunft, die auf mich wartet, die des Wassermanns, vor. Ja ich habe mich des Gewicht der Jahre entledigt, ich habe den Staub unter meinen Schuhen abgeschüttelt. Die Luft des Wassermanns bläst stark, aber ich danke meinem soliden Rückgrat, der es mir erlaubt Stürme zu überstehen. Ich bin ein strukturiertes Wesen, das von nun an im fixen Modus funktioniert. Ich habe geübt, im kardinalen Modus des Steinbocks und nun kann ich mich setzen und alles von mir geben. Ich schlage am Himalaja Wurzeln. Ich sehe weit und unendliche Räume erschrecken mich nicht. Ich bin der Späher und ich warte auf Gleichgesinnte, auf meine Brüder. Mir gegenüber ist die Sonne, die mich blendet aber das Schauspiel der Welt beleuchtet . Der Löwe wackelt mit seinen aus Licht bestehenden Bannern und Flittergold. Aber ich weiß , daß zuviel Licht erblinden läßt und die Wahrheit verdeckt. Ich weiß es, weil ich viel gelernt habe, im Laufe der Jahrhunderte. Denn ich habe viel studiert und ein schwieriges und karges Leben geführt. Ich habe gelernt zu warten. Es hat ja seine Grund, wenn ich das elfte Zeichen bin!"
Also sprach der Wassermann Saturn, alt und jung zugleich, schwer an Wissen und Hoffnung.