GEDANKEN ÜBER DIE KAUSALITÄT


" Man darf hier nicht vergessen, daß die Astrologische Tradition in zwei allgemeine Richtungen unterteilt ist: Die eine Richtung nimmt an ( von Pythagoras zu den Neoplatonikern) daß es eine symbolische des Gestirns gibt, das den Wert eines Zeichens hat; für die andere( "Physikerin" ,über Aristoteles, Ptolemäus und Morinus gehend) ist das Gestirn eine wirkungsvolle Ursache ( Für Kepler existiert ein physisches, psychologisches und metaphysisches Ganzes).
Der Kreislauf zwischen Zeichen und Ursache, des Spiegels und des Effekts, bleibt für den Astrologen noch immer eine finstere Ungewißheit."
André Barbault in " Prévision astrologique" Éditions traditionnelles

I EINFÜHRUNG

Das Ziel dieses Artikels ist es, diese "finstere Ungewißheit" zu beleuchten, in der sich der Astrologe befindet, wenn es darum geht zu wissen,
ob die Planeten die Ursache oder nur ein Zeichen dessen sind, was auf unserer Erde geschieht.
Zu diesem Zweck, schlage ich vor, diese paar Gedanken mit euch zu teilen.
Dazu begebe ich mich in den Bereich der Ereignis- Astrologie. Denn die greifbare Realität ist der Bereich in dem es die fruchtbarsten Diskussionen gibt.
In unserem täglichen Leben kommen hie und da Unfälle, Änderungen , Ereignisse vor.
Die astrologische Theorie legt fest daß , wenn die kritischen Punkte unseres Geburtshoroskops von planetarischen Bewegungen ( Transite, Progressionen etc..) berührt werden, unser Leben oftmals Veränderungen unterstellt ist, manchmal sogar wichtigen Transformationen.
Wir müssen nun unterscheiden zwischen einem wichtigen und einem banalen Ereignis.
Erste Schätzung: Woraus besteht das "normale" Leben eines französischen Durchschnittsbürgers im Jahre 1997 ?
Man bekommt eine Gasrechnung , der Sohn fährt an diesen Nachmittag Rad, das Auto wurde gewaschen, ein Einkaufszentrum hat Sonderangebote etc.... Harmlose Ereignisse nehmen ihren Lauf. Die Details unterscheiden sich, die allgemeine Verkettung der Ereignisse bleibt gleich. Ob es nun im Jahr 1997 oder 1984 ist, ich bin immerfort Arzt, ich interessiere mich immerfort für Astrologie, wohne immer noch am selben Ort und habe noch die selben Freunde.
All das bildet den Hintergrund eines menschliche Lebens, einzigartig und von äußeren Umständen umgeben.

II DIE SENSIBILITÄT DER ASTROLGIE: IHR WIRKUNGSBEREICH

Dies verbirgt die Frage des Fingerspitzengefühls der Astrologie , genauer gesagt ihrer Fähigkeit über Ereignisse zu berichten. Heute bekam ich eine Werbung in meinem Briefkasten. Gibt es da einen astrologischen Hinweis in meinem Radix? Nein!
Die Astrologie berichtet nicht über derartig banale und gewöhnliche Begebenheiten. Worüber berichtet sie denn?
Sie berichtet über Veränderungen, Fluktuationen, Variationen der Basis des Lebenslaufes.
Sie wird nicht Ereignisse voraussehen. Sie wird aber astrale Änderungen aufzeigen, die ,so sie vorher nur die Möglichkeit eines Ereignisses waren, zu einer Sichtbarmachung führen können.



III BEISPIEL

Nehmen wir den Fall eines Menschen, den ich sehr gut kenne und dessen Geburtsmars in 21º38 Jungfrau steht. Diese Person hatte einen kleinen Autounfall, am 5/4/97 gegen 23h30. Mars steht da in 19º48 Jungfrau . Der Aspekt ist nicht sekundengrad genau ( er ist es am 31/3/97), aber er ist dennoch im Orbis des Transits einer Konjunktion zum Geburtsmars.
Ich möchte nun die Umstände des Unfalls schildern: Hast ( Mars), eine schlecht angezogene Handbremse, ein Parkplatz der nicht ganz gerade ist, es aber zu sein scheint, ein Auto das von alleine nach Rückwärts rollt und dadurch ein anderes abgestelltes Auto leicht beschädigt.
Ein Astrologe kann nun sagen: Es gibt eine Zusammenhang zwischen einer Bewegung am Himmel ( die des Mars) und einem irdischen Ereignis: der Autounfall. In diesem Stadium kann man noch nicht feststellen, ob dieser Zusammenhang vom Typ : Ursache-Wirkung , oder vom analogen Charakter ist.

ANALYSE DER TRANSITPERIODEN

Untersuchung vom 1.03.1997 bis zum 29.04.1997
1.03.1997 - 30.03.1997 Uranus Anderthalbquadrat Mars
3.03.1997 -20.04.1997 Saturn Trigon Uranus (27.03.1997)
4.03.1997- 21.04.1997 Saturn Konjunktion Mond (28.03.1997)
19.03.1997- 26.03.1997 Mars Halbquadrat Uranus (22.03.1997)
23.03.1997- 10.04.1997 Mars Konjunktion Mars (31.03.1997)

Transite um dem Unfallsdatum:
- Saturn Konjunktion Geburtsmond. Die Bedeutung dieses Transits im Leben des Subjektes steht mit Immobilien im Zusammenhang. Eins ist sicher: dieser Unfall hat weder eine Stillegung noch irgendeine Verspätung verursacht. Man kann in also nicht in Zusammenhang mit einem saturnischen Faktor bringen.
- Mars im Halbquadrat zum Geburtsuranus. Ein solcher Transit könnte sehr wohl einen Unfall erklären. Aber die Applikationsperiode des Transits entspricht nicht dem Unfallsdatum( es sei denn man nimmt einen größeren Orb).

Versuchen wir nun die Dinge näher zu untersuchen. Ein paar Gedankenwege scheinen mir interessant zu sein:
-Die Dauer des Transits im Verhältnis zur Dauer des Ereignisses.
-Warum war die Astrologie fähig den Unfall vorauszusagen , aber nicht dessen Konsequenzen?
- Warum trat der Unfall nicht exakt im Moment der Konjunktion ein( wo man doch weiß, daß je genauer der Aspekt, desto wirksamer ist er)
- Man beachte auch folgendes: Transit von Mars über Mars zwischen dem 16/5 und 5/6/97 verlief ohne Vorfall. Kein "marsisches" Ereignis während dieser Zeit. Warum verursacht der gleiche Anlaß nun nicht den gleichen Effekt?


A/ Dauer des Transits

Der Blechschaden dauerte ein paar Sekunden , Mars' Transit hingegen mehrere Tage( vom 23/3/97 bis zum 10/4/97).
Warum gab es kein Ereignis für jede Sekunde des andauernden Marstransits?
Der Großteil des Transit ist ohne Vorkommnisse. Warum kann man also denken, daß es einen Bezug zwischen einem Himmelsereignis und einem irdischen Ereignis gibt?
Daher schlage ich folgende Hypothese vor: Die Planeten erklären nicht alles. Damit das von den Planeten offenbarte Ereignis stattfindet, muß es eine konkrete Situation geben, die dies erlaubt. Damit der Unfall stattfinden konnte, mußte man vorher von dem Auto Gebrauch machen? Es mußte auf einem Parkplatz stehen? Es mußte mindestens ein anderes Fahrzeug auf diesem Parkplatz parken? Der Lenker mußte aufgeregt sein und so die Handbremse nicht ganz anziehen? Alle dies mußte geschehen damit es dieses Ereignis(Unfall) überhaupt gab.
Es scheint, daß die Einmischung des Planeten Mars sich durch die beschleunigte Hast des Subjekts offenbart hat und daß äußerliche Umstände es erlaubt haben, daß es zum Unfall kam.
Es gibt also eine Verbindung einer inneren Wirkung ( auf dem Subjekt) mit äußeren Umständen.
Das Ereignis war nicht offenkundig, egal welche materielle Realität mitspielte.
Ich werde darauf zurückkommen in einem zweiten Beispiel, in dem es zwei identische Transit Perioden gab, erstere ohne Manifestation des erwarteten Ereignisses, die zweite mit dem Ereignis.

B/ Die Folgen des Unfalls
Die Folgen des Unfalls dauern länger als der Unfall selbst und können sogar unangenehmer sein. In diesem Sinne müßten sie durch den Transit hervorgehoben werden. Die administrative Prozedur die dem Unfall folgt , all das nimmt Zeit in Anspruch, bringt Sorgen und Unannehmlichkeiten mit sich.
Ich möchte hier zeigen , daß ein Autounfall eine Kette vorgeschriebener Ereignisse nach sich zieht : Unfall, Melden an die Versicherung, Treffen mit dem Sachgutachter, Reparatur .
Hat die Astrologie hier irgend etwas dargestellt?
Der Transit von Mars über Mars hat mir als Astrologen folgendes gezeigt: Ein Marstransit ist ein Faktor der einen Unfall begünstigt, da er eine beschleunigende Wirkung hat.
Anderseits aber all diese behördlichen Wege , die mit der Symbolik Jupiters(Gesetz, Verkehrsregelungen, Verträge, Versicherungen, Ersatz der entstandenen Kosten) in Verbindung stehen , konnten nicht aufgezeigt werden: denn Jupiter war gar nicht involviert, es gab keinen solchen Transit!
Das bedeutet, daß die Astrologie nicht über alle Ereignisse im Leben eines Menschen berichten kann. Seien diese Ereignisse wichtig oder nicht. Ferner ist es mir selber geschehen mit Daten von Todesfällen konfrontiert zu werden , die astrologisch absolut nicht absehbar waren. Nun ist aber der Tod zweifelsohne ein sehr bedeutendes Ereignis. Daß Alltäglichkeiten nicht vorhersehbar sind ist in Ordnung! Aber daß bedeutende Ereignisse es auch nicht sind , dies wirft einige Fragen hervor, was die Wirksamkeit der Astrologie angeht.

Wie kann man das erklären? Es gibt drei astrologische Richtungen:

1/ Die eine betrachtet die Astrologie als nur in psychologischen Darstellungen wirkend. In diesem Fall war der Unfall nur aus den emotionellen Schwankungen(Hast) voraussehbar, da Mars transitierte.
Diese Haltung begrenzt stark den Aktionsradius der Astrologie. Aber ihr Vorteil ist keine falschen Prophezeiungen zu machen.
Ich denke, daß die Astrologie mehr als das ist. Die planetarischen Auswirkungen bereiten auch folgendes vor: Das Eintreffen konkreter Zustände die das Aufkeimen von Ereignissen erlaubt. Um diesen Gedanken zu untermauern nehmen wir den Fall des Attentates vom 1/2/1908 der vier Personen der königlichen portugiesischen Familie betraf. Beispiel im Buch von André Barbault: "Die astrologische Vorhersage: die Transite" Seite 210. Um es kurz zu schildern: alle vier Mitglieder der königlichen Familie hatte gewaltsame Planeten Konfigurationen. Alle Mißklänge drehten sich um ein Kreuz, daß sich im 10º der kardinalen Zeichen befand. Am Tage des Attentats , war Mars in 14º Widder, Uranus 14ºSteinbock und Neptun in 12º Krebs aktivierte dieses astrale Kreuz . Diese Familie war Opfer eines Attentats, keinesfalls aber Täter dieses Ereignisses . Infolge dessen haben die Planeten Transite sehr wohl konkrete Ereignisse vorbereitet und deren Kommen aktualisiert.
2/ Jungianer könnten sagen, daß es eine Synchronizität zwischen dem psychischen Zustand( die Hast) und dem manifestierten Ereignis( der Unfall) gegeben hat, ohne Verbindung von Ursache und Wirkung .Diese achtbare Betrachtungsweise legt das Gewicht auf die personifizierte Bedeutung des Ereignisses. Die Bedeutung ist außerordentlich wichtig, das Ereignis nur das zweitrangige Material aus dem der Astrologe den Sinn suchen wird.


Ich glaube , daß diese Anschauung nicht die ganze Breite der Astrologie deckt. In dem realen Leben und seinen Gesetzen gibt es mehr als nur die Synchronizität, die agiert. Im Beispiel des Unfalls , da gibt es eine Verbindung, vom Typus: begünstigender Faktor. Die Hast hat den Unfall gefördert. Ein begünstigender Faktor nimmt Teil an einer Verbindung von Ursache zur Wirkung. Er alleine kann keine Wirkung erzielen, aber er ist ein Bestandteil davon.

3/ Die idealistischen Astrologen denken, daß "die Sterne nicht die Ursache von dem was existiert sondern ein Zeichen dessen sind, was existiert. " In ihren Augen gibt es eine analoge Verbindung zwischen dem himmlischen und dem irdischen Geschehen.
In dieser Optik, stelle ich fest , daß die "Sensibilität" der Astrologie nicht sehr leistungsfähig ist. Viele Ereignisse entgehen ihr. Zumindest in meiner Erfahrung, vor allem in Todesdaten oder des Inkrafttretens von Krankheiten. Man kann nicht mit zweierlei Maß messen. Entweder kann die Astrologie ein Ereignis "Unfall" vorhersagen, dann muß sie auch das Ereignis "behördliche Formalitäten" prophezeien, oder sie kann es eben nicht. Alles deutet darauf hin, als könnte sie nur limitierte Aussagen über Ereignisse eines Lebens machen. Das beweist, daß es keine analoge Verbindung zwischen der himmlischen und der irdischen Ebene gibt. Diese zwei Phänomene haben ihre eigene Dynamik, aber alle Ereignisse die auf der einen vorkommen müssen nicht parallel dazu auf der anderen Ebene geschehen.


C/ DER MOMENT DER KONJUNKTION

Die Stärke eines interplanetarischen Aspekts hängt von dessen Genauigkeit ab. Um so mehr ein Aspekt exakt ist, um so stärker ist er auch. Eine sekundengenaue Konjunktion ist wesentlich machtvoller als eine mit einem 15 º Orbis.

Sollte es zu einem Ereignis kommen, so wäre es logisch das er dies im Moment des exakten Transits tut.
Wenn es nicht der Fall ist, und im oben zitierten Beispiel ist dem so, dann bedeutet das, das andere Faktoren ins Spiel kommen, die durch ihre Eigendynamik im Moment der Aktualisierung ( des möglichen Ereignisses) agieren.

Nun, um zum idealistischen Konzept zurück zu kehren, entweder ist Gott Ursprung von Allem, oder er existiert nicht. Man kann sich nur schlecht einen herabgesetzten Gott vorstellen, dessen Rolle nur zweitrangig wäre und der warten müßte, daß Konkrete Umstände ihm erlaubten zu handeln. Der Große Architekt des Universums, wenn es ihn gibt, sitzt am Thron, an erster Stelle. Wenn die Astrologie über den himmlischen Mechanismus berichtet, über den göttlichen Plan, über das Schicksal, wenn die Astrologie fähig ist uns über diese äußerst wichtigen Fragen Antworten zu geben, dann müssen die Ereignisse zum Zeitpunkt eines exakten Aspektes stattfinden. Wenn aber das Ereignis nicht zum Zeitpunkt des exakten Aspektes stattfindet, bedeutet dies, daß der himmlische Mechanismus nur ein Element unter anderen ist, eben nur ein begünstigender Faktor. Der "himmlische Mechanismus " existiert, aber er schaltet sich nur mit Hilfe von irdischen Umständen ein. Aus dieser "Wechselbeziehung" zwischen vielen Faktoren, wird das Ereignis stattfinden.
Das ist der Grund, weshalb ich an eine ursächliche Verbindung zwischen den planetarischen Bewegungen und den irdischen Ereignissen glaube. Aber dieser himmlische Einfluß allein genügt nicht, um ein Ereignis hervorzubringen, der der planetarischen Symbolik entspricht. Dieser himmlische Einfluß wirkt auf einem gegebenen Individuum ( Träger einer besonderen Geschichte) mit konkreten Umständen, die seinen Einfluß in eine gewisse Richtung lenkt, die wiederum die Form des zu geschehenden Ereignisses verändert.

IV SCHLUSSFOLGERUNG

Diese zwei Beispiele veranschaulichen meinen Grundgedanke über die Verbindung zwischen einem Planeten und das menschliche Leben.
Es handelt sich um einen himmlischen Einfluß, der in Bezug zwischen dem Menschen und seiner Umgebung steht und da interagiert.
Es gibt eine Verbindung von Ursache und Wirkung zwischen der Bewegung eines Sternes im All und das Eintreten eines möglichen Ereignisses.
Man kann sagen, daß der planetarische Einfluß als ein begünstigender Faktor zum Auftreten eines bestimmten Ereignistypus angesehen werden kann ( In Bezug mit der astrologische Symbolik des Planeten) . Dieser Einfluß vermischt sich mit einem Netz zahlreicher Determinismen. Aber die Offenbarung dieses Ereignisses , die Form die es annehmen wird, ist durch die ursprünglichen Umstände bedingt, die es ihm ermöglichen einzutreten oder auch nicht.

Franck Nguyen ist Arzt und Astrologe; er ist Mitglied vom RAO
  • Home